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#3 Tipp: Artikel zu Dyskalulie-Gutachten

evagraf2
10. Sept.
8 Min. Lesezeit

Gestern habe ich folgenden Artikel gelesen. Meine Tochter hatte mir den Link geschickt.

 

 Der Artikel ist von Christine Strauß-Ehret, Chefredakteurin des Würfelhaus-Verlags.


Sie rät darin zur Vorsicht vor Dyskalkulie-Gutachen. Der Artikel hat die treffende Überschrift:


Warum dein Kind vermutlich ein einfach zu lösendes Problem mit dem Mengenverständnis hat (+ die Gefahren, zu früh auf Dyskalkulie zu schließen)

 

Ich empfehle dir, den Artikel zu lesen. Er ist sehr lesenswert, wie ich finde.


Wenn du schon etwas von mir gelesen hast, dann weißt du, dass ich sowohl die Überzeugung als auch das Anliegen von Christine Strauß-Ehret teile.


Am Ende ihres Artikels erkläre ich dir den Unterschied zwischen unseren beiden Lösungsansätzen für das Problem des mangelnden Mengenverständnisses deines Kindes.


Vorher möchte ich dir noch eine Frage stellen:


  • Was ist eigentlich eine Zahl?

  

Auf einer Fortbildung hat der Referent mal diese Frage gestellt. Da habe ich gemerkt, dass ich selbst diese Frage gar nicht in eigene Worte fassen kann. Upps! War für mich damals ziemlich erhellend :)

  

Hier nun der besagte Artikel der Chefredakteurin des Würfelhaus-Verlags (Anmerkung: Die Hervorhebungen sind von mir)

 

In meiner Vorstellung sehe ich all die kleinen Kinder in der Grundschule, die mit dem Etikett “du kannst nicht rechnen” versehen werden und für die damit der begonnene Leidensweg dennoch kein Ende nimmt…
Ich werde hier gar nicht weiter auf die verschiedenen Definitionen, die es dafür gibt, eingehen, sondern meine Erfahrungen mit Kindern, die diese Diagnose erhalten haben, schildern:
Mein Name ist Christine Strauss-Ehret und seit über 20 Jahren bin ich in der Bildungsbranche tätig – angefangen als Förderschul- & Grundschullehrerin. 
Dabei habe ich erkannt, dass die Matheprobleme meist an einem grundlegenden Rechen- und Mengenverständnis liegen. Deshalb habe ich die Würfelhaus-Methode entwickelt, die schon über 900 Grundschulkindern geholfen hat, Mathe mit Spaß und Leichtigkeit zu meistern.
Bei meiner Arbeit begleite ich fast ausschließlich Eltern mit Kindern, die Probleme beim Rechnen zeigen (darunter waren auch schon viele Kinder mit besagtem Gutachten) und ich stelle immer wieder erstaunt fest, dass die Eltern den Lehrern wirklich glauben, wenn diese behaupten, dass das Kind das Problem ist.
Das Kind kann nicht rechnen, verwechselt die Zahlen, rechnet alles mit den Fingern, braucht zu lange, braucht viele Hilfestellungen, will trotz ständigem Üben einfach nicht verstehen, schreibt schlechte Noten etc.
Wenn mir die Eltern dann erzählen, wie und womit das Kind gelernt hat, welche Übungen es machen musste, wie fleißig es bisher übte und wie deprimiert das Kind jetzt gerade sei, weil es sich für dumm hält – bin ich meist erst empört, dann tief traurig.
Wer ist der Sündenbock? Das Kind und vielleicht auch noch die Eltern, die nicht genug geübt haben? In vielen Fällen ist dies nicht wahr. 
Was sind die Gründe? 
Wenn Grundschulkinder das Rechnen nicht lernen, liegt es oft am Unterricht, wie die Inhalte vermittelt werden oder an den Lehrbüchern – oft auch eine Mischung aus allem.
Ein weiteres Problem ist, dass Schulen oft nicht richtig verstehen, was Kinder wirklich lernen müssen. Was ist wirklich wichtig und was ist überflüssig oder macht das Lernen nur schwerer? 
Die Schulen halten sich zu sehr an strikte Lehrpläne, nach dem Prinzip, dass alle Kinder am Ende alles können sollten. 
Aber warum eigentlich? Macht das Sinn? 
Schon in der 3. Klasse kommen Kommazahlen, Maßeinheiten, Umrechnungen und Textaufgaben dran, mit denen sogar einige Erwachsene Probleme haben. Es ist also nicht überraschend, dass es für viele Kinder hart ist, besonders wenn die Grundlagen noch nicht sicher sitzen. 
Kein Wunder, dass sich Eltern und Lehrkräfte nach einer Lösung sehnen… 
Nach einer plausiblen Erklärung für all das Nichtverstehen von Mathe (trotz gut gemeinter Erklärungen), für die Sorgen und tränenreichen Nachmittage. 
Ist Dyskalkulie die Rettung? 
Das Gutachten “Dyskalkulie” bescheinigt den Eltern: “Mein Kind ist nicht zu dumm, es kann nichts dafür, es ist einfach krank!”
Nein, ist es eben nicht! 
Bitte liebe Eltern und Lehrkräfte wacht auf!
DAS KIND IST NICHT DAS PROBLEM! 
Schaue dir mal in aller Ruhe die Hefte und Bücher deiner Kinder in Mathe an. Und dann hinterfrage, wie ihnen Mathe vermittelt wird bzw. wie das Kind das Rechnen lernt. 
Können da auch Kinder mitkommen und verstehen, die nicht ohnehin schon alles in Mathe können?  
An welcher Stelle ist das Kind ausgestiegen und warum?  
Was braucht es, damit es verstehen kann? 
    Ich habe einfach mal "Dyskalkulietest" gegoogelt…
 … und bin dabei auf rund 105.000 Ergebnisse gestoßen. Ich wusste gar nicht, dass es so viel zu diesem Thema zu lesen gibt!  
Aber klar, wenn ein Kind Probleme beim Rechnen hat, dann muss es wohl getestet werden.  
Doch auf was genau? 
Darauf, ob das Kind eine mathematische „Störung“ hat, oder ob es nicht „intelligent“ genug ist, oder welche Schwierigkeiten es beim Rechnen genau zeigt?  
Und die noch größere Frage: Was bringt eine Testung überhaupt? 
Dieser Artikel soll dazu beitragen, betroffene Eltern „wachzurütteln“. 
Ein Gutachten ist für die meisten Kinder meiner Meinung nach nicht wirklich eine gute Lösung. Die Nachteile überwiegen… 
 Fangen wir von vorn an: 
Wenn ein Kind auf „Rechenschwäche“ oder „Dyskalkulie“ getestet wird, dann muss ein Erwachsener diese Testung veranlassen.  
Ergo muss jemand bemerken, dass das Kind Probleme beim Erwerb bestimmter Rechenkompetenzen hat. 
Wem fällt so etwas auf und wo?  
Mir fällt da an erster Stelle die Schule ein. 
So war es auch bei Marlene (und übrigens Dutzenden anderen “Dyskalkulie-Kindern”, die ich begleitet habe…) 
Ich lernte Marlene kennen, als sie bereits in der 2. Klasse war, ein „Dyskalkulie-Gutachten“ hatte sie aber schon seit Ende der ersten Klasse. 
Dieses Gutachten war von einem Psychologen erstellt und beinhaltete eine Menge Zahlen und standardisierte Werte.  
Das Ergebnis war eindeutig: Marlenes Leistungen in Mathe entsprachen nicht der „Norm“, sondern waren unterdurchschnittlich. 
Wie kam Marlene zu diesem Gutachten?
Schon zu Beginn der 1. Klasse kam Marlene beim Rechnen nicht richtig mit. Sie zählte alle Aufgaben von vorne aus, brauchte sehr lange, war unsicher und konnte nicht einschätzen, ob die Ergebnisse auch richtig waren. Klar, sie waren meist falsch, denn Marlene zählte die erste Zahl einfach noch mal mit. 
Bsp.: 4+3: 1,2,3,4 (und jetzt war sie beim 4. Finger) plus 1,2,3 (1 war der 4. Finger noch mal) ergab für Marlene 6. Die anderen Kinder in der Klasse konnten inzwischen alle bis 20 rechnen (auch wenn einige davon auch noch abzählten), aber Marlene lag einfach zu weit zurück.
 Ein klarer Fall für die Lehrerin:
 Marlene musste wohl die Rechenprobleme der Mutter geerbt haben… (Wie bitte?!)
 Sie empfahl bereits in der ersten Klasse die Erstellung eines Gutachtens. Nach einer als ‚erfolgreich‘ bezeichneten Testung über mehrere Sitzungen hinweg, lag schließlich das Ergebnis vor:
 Marlene hat eine „Dyskalkulie“.
 Die Konsequenzen des Gutachtens (über die KEINER spricht)
 Die Lehrerin von Marlene gab ihr, sobald die Testergebnisse vorlagen, nur noch leichtere Aufgaben. 
 Denn was der Test nicht aussagt: Was genau die Problemstelle im Rechnen ist, was der nächste Lernschritt wäre  und vor allem: WIE Marlene üben soll.
 Daher “durfte” sie in ihrem Tempo lernen. Was bedeutete, dass sie so weitermachte wie bisher.
Dadurch, dass Marlene kein Verständnis für Mengen und Zahlen besaß, tat sie einfach das, was sie auch schon im Kindergarten übte: Vorwärts- und Rückwärtszählen.
 Marlene verstand also gar nicht, was sie da rechnete, sie konnte die Zahlen nicht miteinander in Verbindung setzen und demzufolge wusste sie nie, ob sie nun die Aufgabe richtig ausrechnete oder falsch.
 Den Klassenlernstand aufholen? NIEMALS. Nicht daran zu denken!
 Das Gutachten bewirkte (auf den ersten Blick) eine Entlastung für Marlene und auch für ihre Eltern. 
 Klar, weniger Stress bei den Hausaufgaben und in der Schule – aus Sicht der Lehrerin. Noch einfachere Übungen. Keinen Druck mehr, hinterherzukommen (denn der Zug ist ja eh abgefahren)…
 Doch was der Dyskalkulietest Marlene eindeutig bescheinigte, war, dass sie nicht gut rechnen kann. 
Für Marlene war das eine Katastrophe. Sie entwickelte einen hartnäckigen Glaubenssatz und sagte die herzzerreißenden Worte:
 "Mama, ich bin zu dumm zum Rechnen".
 Dementsprechend war sie ängstlich, gestresst und zweifelte an sich selbst.
(Besonders in den ersten Lebensjahren hat dies psychische Auswirkungen, die uns bis in unser Erwachsenenalter begleiten).
 Die Mutter gestand mir im Gespräch, dass sie selbst auch unter einer Rechenschwäche litt.
 Sie konnte mit ihrer Tochter nicht üben und das machte sie hilflos und abhängig von der Meinung der Lehrerin.
 Zudem plagten sie Schuldgefühle, weil sie annahm, dass ihre Tochter diese Rechenprobleme wohl von ihr geerbt hatte.
 Marlene schämte sich…
 Als ich Marlene Mitte der 2. Klasse kennenlernte, war sie schüchtern. 
Sie schämte sich, dass sie immer noch bis 10 rechnete und wollte nichts sehnlicher, als genauso gut rechnen können wie ihre Klassenkameraden. 
Dadurch stand Marlene permanent unter Stress. 
Und dieser war durch das Gutachten nicht weg. Nein, im Gegenteil.
Ich fragte sie ein paar einfache Fragen, an deren Antworten ich sehen konnte, ob Marlene bereits ein Verständnis für Mengen und Zahlen bis 10 entwickeln konnte.
Mit diesen Fragen konnte ich sofort einschätzen, wie gravierend die Rechenprobleme von Marlene wirklich waren. 
Und vor allem: Was die Ursache der Probleme war.
Für mich war sofort klar: Marlene brauchte eine andere Lernmethode. Ich leitete Marlenes Mutter mit meinem Würfelhaus-Konzept an und sie übte mit ihrer Tochter fleißig nach Plan.
Nach nur 7 Wochen konnte Marlene nicht nur sicher bis 10, sondern auch bis 20 und sogar bis 100 rechnen!
Marlene war wie ausgewechselt. Sie freute sich über ihre Erfolge! Ihr Selbstbewusstsein bekam endlich wieder neuen Aufschwung…! 
Marlenes Lernverlauf zeigt deutlich: Dyskalkulie oder Rechenschwäche muss nicht sein! Hat ein Kind laufen und sprechen gelernt, ist es auch in der Lage, rechnen zu lernen!
 Endlich eine Zwei !
 Wir haben gaaaanz tolle Nachrichten! Marie hat ihre erste benotete Lernstandserhebung in Mathe geschrieben!!!!Und: Maria hat eine 2bekommen! Wir sind alle soooo glücklich!!!
 Petra Vogel Mutter von Marie

 So weit der Artikel von Christine Strauß-Ehret.


Voll gut, dass Marie und ihre Mama Hilfe bekommen haben und die Probleme mit dem mangelnen Mengenverständnis überwunden werden konnten.


Solche Geschichten könnte ich auch viele erzählen. Von Kindern und Jugendlichen, die dachten, sie könnten Mathe einfach nicht und sie seien zu dumm dafür. (Und von Eltern, die das Problem allein bei ihrem Kind suchen: "Er ist einfach faul.")

 

Von den Unsicherheiten und Ängsten, die damit einhergehen. Mit den Sorgen der Eltern darüber, wie das schulisch weitergehen soll. Schließlich ist das Kind noch in Grundschule und hat noch viele Jahre Mathe vor sich!! (Also, ich hatte anfangs solche Sorgen mit meiner Tochter.)


Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätten wir uns viel Zeit und Mühe gespart...


Aber diese Mühe und diese Erfahrung - auch mit vielen anderen Kindern und Jugendlichen, mit denen ich danach gearbeitet habe - hat mich zu der grundlegenden Lösung für das Problem geführt.


Eine Lösung, die ich jetzt mit dem Rechenpflaster weitergeben darf. Eine Lösung, die sich von allen anderen Lernmethoden unterscheidet.

  

Im Gegensatz zur Würfelhaus-Methode (und all diejenigen Lernmethoden, die auf das optische Wahrnehmen von Mengen abzielen) bleibt das Rechenpflaster nicht beim der optischen Erkennen von Mengen stehen.





Mit dem Rechenpflaster wird ein abstraktes Zahlenverständnis erarbeitet, das sich von irgendwelchen Mengenbildern löst. Es füllt die Lücke zwischen Mengenbildern und dem gedanklichen Verstehen dessen, was eine Zahl bedeutet.


Ja. Das Rechenpflaster ist die Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich eine Zahl?



Cool, oder?


PS: Mit dem Rechenpflaster kannst du deinem Kind (oder deinen Schülern) übrigens nicht nur die natürlichen Zahlen erklären, mit denen die Erst- und Zweitklässler rechnen.


In der dritten und vierten Klasse kannst du damit auch die großen Zahlen und sogar die Komma-Zahlen erklären.


Vor kurzem hatte ich Eltern zusammen mit ihrer Siebtklässlerin in meiner Rechenpraxis, die jetzt gemeinsam und voll motiviert mit dem Rechenpflaster die Themen der fünften und sechten Klasse nachholen (Terme und Gleichungen) - ganz strukturiert und Schritt für Schritt. Und die sich dann mit dem Rechenpflaster an die Bruchzahlen machen... Toll!

 

PPS: Kannst du inzwischen in eigenen Worten sagen, was eine Zahl ist? Das erkläre ich dir im nächsten Blog-Artikel. :)

 
 
 

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